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Arbeit? Was ist Arbeit?

Immer wieder faseln unsere Politiker von Vollbeschäftigung. Sicher gab es die einmal, zuletzt in den 70ern. Mittlerweile jedoch ist die Arbeitswelt so rationalisiert und technisiert, dass wir niemals wieder genügend Erwerbsarbeit für alle Menschen - zumindest hier in Mitteleuropa und den USA - haben. Siehe hierzu auch den Artikel des Spiegelfechters auf Telepolis und das Interview mit dem amerikanischen Ökonom Jeremy Rifkin in der Stuttgarter Zeitung. Diese Entwicklung an sich wäre kein Problem - zumal man sie sowieso nicht stoppen kann. Das Problem ist der nach wie vor existente Mythos Vollbeschäftigung und der Irrglaube, dass der Lebenssinn des Menschen in der Erwerbsarbeit liege und er ohne diese nichts wert sei. Diesem Irrglauben hängen wir nach wie vor an, und keiner der Regierungstäter traut sich, eine “neue Glaubensrichtung” anzustoßen.

Natürlich gibt es genug Arbeit - aber niemanden, der dafür - ausreichend - bezahlt. Vor allem in der Beratung und der Pflege gäbe es genug zu tun, aber gerade Menschen im sozialen Bereich werden unterbezahlt. So käme unser Staat heute gar nicht mehr ohne die vielen - in Deutschland rund 23 Millionen - ehrenamtlichen Helfer aus. Ich bin davon überzeugt dass sich weitaus mehr Menschen ehrenamtlich engagierten wenn sie die Angst vor der Armut sie nicht lähmen würde.

Der Begriff Arbeit muss neu definiert werden - auch im Zusammenhang mit der Frage nach dem "Lebensinhalt". Solange aber Milliarden in ein marodes Wirtschaftssystem gepumpt und Menschen zur Arbeit gezwungen werden, solange dem irrsinnigen Wunsch nach Vollbeschäftigung weiter nachgegangen wird ist dies nicht möglich.

Wenn der Begriff Arbeit neu definiert werden muss, dann aber auch der Begriff Arbeitslosigkeit! Welcher Mensch, der erwerbslos ist, ist denn wirklich arbeitslos? Bei vielen, vor allem aber bei künstlerisch tätigen Menschen kann man von Arbeitslosigkeit nicht sprechen. Sie machen ihre Arbeit, gehen ihren Talenten nach, sind kreativ - nur dass sie dafür kein Geld bekommen.

Die Sprache ist viel mächtiger als die meisten glauben. So wird es höchste Zeit nicht mehr vor Arbeitslosen zu sprechen sondern von Erwerbslosen! Und auch der - auch rein rechtlich falsche - Begriff der "Hartz IV-Empfänger" gehört aus dem berühmten Volksmund gestrichen. Ich bekomme bei der Erwerbslosigkeit kein Almosen von Herrn Hartz, übrigens einem Menschen, der 2007 wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe zu zwei Jahren verurteilt wurde, sondern ich bekomme das Arbeitslosengeld, kurz ALG II. Solche Begrifflichkeiten ist doch nur eine Korinthenverdauung? Keinesfalls, die Macht der Sprache ist nicht zu unterschätzen - das hat mittlerweile auch unsere Arbeitsministerin verstanden. Sage einem Langzeiterwerbslosen über Jahre hinweg, dass er arbeitslos ist, keine Arbeit hat, nichts arbeitet - und er wird dies nicht nur auf die Erwerbsarbeit beziehen sondern auf seinen gesamten Alltag, und das wiederum schlägt sich recht schnell im Selbstvertrauen nieder.

Und die ganzen faulen Menschen?

Nun, diese faulen Menschen wird es immer geben - mit oder ohne Drangsalierung durch die Priester des Arbeitsglauben und ihren "Vollstreckern". Aber zum einen, wer sagt denn das Faulheit ein Laster ist oder es kein Recht auf Faulheit gibt? Und zum anderen ist auch die Faulheit mit so manch mühseliger Arbeit verbunden. ;)

Noch zu Ergänzen:
An dieser Stelle sollte noch ein kleiner historischer Abriss zum Thema Arbeit folgen...