Der Aberglaube des 21. Jahrhunderts
Wir erleben in dieser fortschrittlichen Zeit einen neuen Aberglauben, und kaum einer kann sich diesem entziehen. Der Aberglaube des 21. Jahrhunderts ist der Arbeitsglaube!
Dieser Glaube besagt, dass allein die (Erwerbs)arbeit selig und glücklich macht. Die Priester dieser Zeit sind Politiker und Arbeitgeberverbände, die Bibel ist die Arbeitslosenstatistik, die Folterinstrumente sind die Ergebnisse der Hartz-Kommission, ALG II und SGB II. Die Ketzer und Hexen hingegen sind die kritischen und "faulen" Arbeitslosen, die zwar heute nicht mehr verbrannt, dafür mit Kürzungen und Streichungen der Arbeitslosenhilfe bestraft werden.
Einer der größten Fürsprecher dieses "Arbeitsglaube" ist die Initiative Soziale Marktwirtschaft - im Grunde ein Interessenverband der Arbeitgeber, deren Ziel es ist, die deutsche Öffentlichkeit von "marktwirtschaftlichen Reformen" (neue Wirtschafts-, Beschäftigungs-, Sozial- und Tarifpolitik) zu überzeugen - unter anderem durch Anpassung flexibler Tarifstrukturen im Sinne der Arbeitgeber, keine Ansprüche mehr auf Sicherung des Lebensstandards, mehr Tempo in der Bildungspolitik. Zu deutsch: Exteme Lobbyarbeit im Sinne der Arbeitgeberverbände und des neoliberalen Wirtschaftssystems. Einer ihrer Solgans - an Zynismus kaum noch zu überbietenden - lautet "sozial ist was Jobs schafft". Einen interessanten Artikel über diese "liberalen Wanderprediger" findet man auf den Nachdenkseiten, regelmäßige Berichte auf INSM Watchblog und bei Lobbycontrol.
Zur Zeit ist die Kurzarbeit wieder ein ernsthaftes Thema. Vorübergehend in einer - kurzfristigen - Krise vielleicht ein sinnvolles Mittel wird sie in der aktuellen "Wirtschaftskrise" zu einem Irrwitz. Einen interessanten Kommentar dazu von Fabian Leber findet man im Tagesspiegel vom 1.8.2009:
Ausländische Beobachter wundern sich, warum in Deutschland Menschen in Arbeit gehalten werden, für die es gar keine Arbeit gibt. Neu ist das nicht. Allein schon ihrem Namen nach waren die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die in den 90er Jahren vor jeder Bundestagswahl hervorgekramt wurden, ein Widerspruch in sich. Wo keine Arbeit ist, kann auch nichts beschafft werden.
Hauptsache man hat einen Job - egal ob man davon leben kann, ob er sinnvoll ist, ob er über- oder unterfordert.
In ihrem neuen "Deutschland-Plan" versucht jetzt die SPD die desaströsen Prognosen für die Bundestagswahl tatsächlich mit dem Thema Vollbeschäftigung anzugehen. So meint Kanzlerkandidat Steinmeier ernsthaft:
"Wir zeigen, wie Deutschland mit kluger Politik im nächsten Jahrzehnt insgesamt vier Millionen neue Arbeitsplätze schaffen kann." ... "Bis 2020 wollen wir die Arbeitslosigkeit besiegen." [Quelle: SpOn]
So manchesmal kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Aber gerade von der SPD darf man wohl keine anderen Wege erwarten. Sie ist nachwievor "die Arbeiterpartei", obwohl sie seit Jahren ihre ursprüngliche Klientel vergrätzt. Die - zu erwartende - Niederlage bei der Wahl im September wird man mit allem möglichen begründen, nur nicht mit der Unzufriedenheit des "Urnenpöbels" über das Festhalten an der "Agenda 2010". Und so bedarf es auch keiner hellseherischen Fähigkeiten um vorauszusagen, dass die SPD auch danach an ihrer irren Politik festhalten wird...
Einen Interessanten Artikel von Wolf Lotter findet man im Magazin brand eins, das sich in seiner Septemberausgabe ausführlich dem Thema Arbeit widmet.
Noch zu Ergänzen:
Weitere Fakten über die INSM und deren Unterwanderung in Politik und Alltag.






