Die Grundeinkommen-FAQ
Hier versuche ich die am häufigsten gestellten Fragen zum Grundeinkommen zu beantworten. Längst sind nicht alle Fragen gestellt, und schon gar nicht beantwortet... Links zu weiteren Grundeinkommen-FAQ findest du am Ende dieser Seite.
- Was ist eigentlich das Bedinungslose Grundeinkommen?
- Geld bekommen ohne was zu arbeiten?
- Was ist mit den Faulen, soll ich die etwa unterstützen?
- Würde überhaupt noch jemand arbeiten, wenn er ein Grundeinkommen hat?
- Werden Leute ohne Arbeit nicht zu Almosenempfängern abgestempelt?
- Lassen sich Menschen, wenn sie wissen, dass ihre finanzielle Grundabdeckung gesichert ist, auf eine 3jährige Ausbildung oder ein Studium ein - oder gibt es in Zukunft keine qualifizierten Berufe mehr?
- Wer macht die “Drecksarbeit”, auf die jetzt schon keiner Lust hat?
- Ab und bis zu welchem Alter soll man das BGE erhalten?
- Wer bekommt das Grundeinkommen? Auch “Nichtdeutsche”? Würden dann noch mehr Flüchtlinge hier Asyl suchen?
- Ist das Modell als Binnenmodell tauglich - oder kaufen dann alle im Ausland ein?
- In manchen Regionen sind die Lebenshaltungskosten niedriger, in manchen höher. Bekommt trotzdem jeder die gleiche Summe? Wird sich dieser Unterschied dann automatisch regulieren?
- Von welchem Betrag geht man aus?
- Wie wird das Grundeinkommen finanziert?
- Welche Parteien setzen sich für das BGE ein?
- Ich habe da mal was von einem Film zum Grundeinkommen gehört...
- Wie kommen die Kinder an ihr bGE? Wird jungen Menschen nicht von vornherein das Interesse an Ausbildung und Arbeit genommen?
1. Was ist eigentlich das Bedinungslose Grundeinkommen?
Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein Betrag, der an jeden Bürger vom Staat ausbezahlt wird, ohne von ihm eine Gegenleistung dafür zu erwarten.
Weitere Einführungen findest du hier:
- Grundeinkommen bei WikiPedia
- Netzwerk Grundeinkommen
- Freiheit statt Vollbeschäftigung
- Initiative Grundeinkommen
2. Geld bekommen ohne was zu arbeiten?
Geht es in dieser Frage nun um's Arbeiten oder um das bezahlte Arbeiten?
Ich behaupte, die Mehrzahl der Erwerbslosen arbeitet auch jetzt - entweder ehrenamtlich, an Projekten für die Allgemeinheit (mir begegnen sie z.B. häufig im PC- und Internetbereich) oder an ihrem persönlichen Fortkommen (um dies dann evtl. wieder dem Arbeitsmarkt und somit der Allgemeinheit zugute kommen zu lassen). Und warum sollen diese Menschen nicht "entlohnt" werden? Die Bereitschaft der Menschen, etwas zum Gelingen des Lebens beizutragen, ist vorhanden. Wäre dem nicht so könnten bereits jetzt fast alle sozialen und caritativen Einrichtungen schließen.
3. Was ist mit den Faulen, soll ich die etwa unterstützen?
Genau das geschieht jetzt auch schon! Es wird immer Menschen geben, die nicht arbeiten und "schmarotzen". Daran wird auch eine härtere Gangart der Regierung nur wenig ändern, und außerdem ist das Ergebnis, wenn Menschen ihre Arbeit widerwillig erledigen, meist nur eine halbherzige Angelegenheit. Vielleicht würde es durch das Grundeinkomen (kurzfristig) noch ein paar "Faule" mehr geben, andererseits bin ich davon überzeugt, dass durch die neue Freiheit mindestens ebenso viele Menschen Gefallen daran finden, ihr kreatives, schöpferisches und auch soziales Potential zu entfalten. Du glaubst das nicht? Dann frage jetzt mal nach, wieviele Menschen wirklich ein Leben lang nichts tun würden - die meisten halten es gerade mal den Sommerurlaub durch.
4. Würde überhaupt noch jemand arbeiten, wenn er ein Grundeinkommen hat?
Ja, denn für viele Menschen ist Arbeit mehr als nur Broterwerb. Außerdem werden mit einem Grundeinkommen alleine die Menschen sich nicht alle Wünsche erfüllen können. Jeder kann sich auf Basis des Grundeinkommens einbringen und ein Arbeitseinkommen erzielen. Wer heute innovativ ist und tatsächlich etwas leistet, der macht dies aus der Motivierung heraus, an einer Problemlösung mitwirken zu wollen, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen, ganz gleich in welchen Berufen. So sind auch heute häufig gerade jene unmotiviert, die ihre Arbeit nicht als sinnvoll und erfüllend erleben.
Antwort bei "Unternimm die Zukunft"
Antwort bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
Projekt: Was würden Sie tun, wenn...
5. Werden Leute ohne Arbeit nicht zu Almosenempfängern abgestempelt?
Die meisten Menschen arbeiten doch, nur viele eben unentgeltlich. Für sie wäre es keine Almosen, sondern eine - wahrscheinlich nicht mal adäquate - Entlohnung. Außerdem sollten wir langsam mal runter von dem Trip kommen, dass Arbeit der einzige Sinn im Leben ist.
Siehe auch FAQ bei "Unternimm die Zukunft"
Siehe auch FAQ bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
6. Lassen sich Menschen, wenn sie wissen, dass ihre finanzielle Grundabdeckung gesichert ist, auf eine 3jährige Ausbildung oder ein Studium ein - oder gibt es in Zukunft keine qualifizierten Berufe mehr?
Auch hier ist wieder die Motivation der springende Punkt - Menschen möchten sich weiterbilden und wissen, dass für eine qualifizierte Arbeit eine gute, qualifizierte Ausbildung bzw. Studium notwendig ist.
7. Wer macht die “Drecksarbeit”, auf die jetzt schon keiner Lust hat?
Unangenehme Arbeit wird es auch weiterhin geben, allerdings müsste diese dann (endlich mal) adäquat bezahlt werden. Unter Umständen könnten sich durch die neue Situation aber auch Fragen nach der Notwendigkeit so manch unangenehmer Arbeit stellen.
Antwort bei "Unternimm die Zukunft"
Antwort bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
8. Ab und bis zu welchem Alter soll man das BGE erhalten?
Die meisten Konzepte sehen ein gestaffeltes BGE für Menschen unter 18 vor. Ausgezahlt wird es bis zum Lebensende, es ersetzt (oder unterstützt) also die bisherige Rente.
9. Wer bekommt das Grundeinkommen? Auch “Nichtdeutsche”? Würden dann noch mehr Flüchtlinge hier Asyl suchen?
Es steht meiner Meinung nach zu befürchten, dass bei einer Zahlung des Grundeinkommens an alle hier wohnenden der Strom der “Zuwanderer” stark zunimmt. Eine Auszahlung nur an deutsche Staatsbürger würde das “Modell der Staaten und Grenzen” unterstützen, wäre zur Zeit aber wohl unumgänglich. Eine Klärung dieser Frage steht mMn auf der Prioritätenliste weit oben.
Antwort bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
10. Ist das Modell als Binnenmodell tauglich - oder kaufen dann alle im Ausland ein?
Das dürfte eine der noch dringend zu klärenden Fragen sein.
11. In manchen Regionen sind die Lebenshaltungskosten niedriger, in manchen höher. Bekommt trotzdem jeder die gleiche Summe? Wird sich dieser Unterschied dann automatisch regulieren?
Das dürfte eine weitere der noch dringend zu klärenden Fragen sein.
12. Von welchem Betrag geht man aus?
Unterschiedlich, die meisten Initiativen legen sich in ihren Konzepten nicht fest. Es tauchen aber immer wieder Summen zwischen 500 € und 1500 € auf.
13. Wie wird das Grundeinkommen finanziert?
Es gibt mehrere Modelle, jedoch wollen sich die meisten Initiativen nicht festlegen. Während die Realisten von rund 500 Euro ausgehen (zuzüglich bedarfsgeprüftem Wohngeld) und glauben, dass eine Umstellung bereits jetzt möglich und problemlos finanzierbar ist, fordern andere Kreise bis zu 1500,- Euro pro Mensch. Dazu wäre eine weitreichende Umstrukturierung des Steuersystems notwendig, eine Umstellung wäre auch nur mittelfristig möglich, eine Übergangszeit wäre notwendig.
Antwort bei "Unternimm die Zukunft"
Antwort bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
14. Welche Parteien setzen sich für das BGE ein?
Die FDP hat zwar Ideen zum Bürgergeld, dies soll wohl aber kein bedingungsloses sein und mit der Steuer verrechnet werden.
Die Linke hat einen Arbeitskreis zum Thema, der ein Konzept vorgestellt hat. Zur Zeit streitet man sich wohl über die grundsätzliche Richtung der Partei.
Die Grünen hatten sich zwischenzeitlich anscheinend von dem Thema “verabschiedet”, nach einem Paper der “Grünen Jugend” vom 26.Bundeskongress im Mai 2006 scheint man sich aber zumindest beim “Grünen Nachwuchs” damit wieder zu befassen und das Grundeinkommen zu befürworten.
Grüne Jugend für ein neues Arbeitsverhältnis
Außerdem gibt es hier einen Diskussionsvorschlag für den Zukunftskongress von Bündnis 90/Die Grünen.
In der CDU gibt es Überlegungen zu einem Bürgergeld, allerdings ist dies relativ gering angesetzt (800 € abzgl. rund 200 € Gesundheitspauschale), so dass es den eigentlichen Sinn dieser Idee zu verfehlen scheint. Allerdings könnte damit die leidige "Hartz-Hatz" beendet werden, was deutlich mehr Menschen als jetzt Zugute kommt.
Ausgerechnet die SPD verfolgt diese Idee meines Wissens nicht ernsthaft.
15. Wo finde ich den Film zum Grundeinkommen?
Infos zum Film über das bedingungslose Grundeinkommen von Daniel Häni und Enno Schmidt, einen Trailer, Download- und Bestellmöglichkeiten findest du hier.
16. Wie kommen die Kinder an ihr bGE? Wird jungen Menschen nicht von vornherein das Interesse an Ausbildung und Arbeit genommen?
Bereits heute gibt es in manchen Familien das Problem, dass Kinder nicht in den "Genuss" der staatlichen Hilfe kommen, weil die Eltern das Geld für eigene Belange ausgeben oder nicht haushalten können. Dies ist also keine spezifische Frage des bGE sondern muss bereits jetzt angegangen werden. Nachwievor werden Jugendämter bzw. Beratung und Unterstützung für solche Familien gefordert sein. Das bGE könnte (!) ein Grundstock für eine weitreichende gesellschaftliche Änderung sein - allerdings wären weitere Reformen, zum Beispiel am Bildungssystem, notwendig.
Nachwievor haben Ausbildung und Arbeit ihren Reiz (siehe Fragen 4 und 6), dies muss Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Im Gegensatz zu heute werden bei einer sich durch das bGE entspannenden Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage aber weitere Bevölkerungsschichten überhaupt erst wieder eine berufliche Perspektive sehen.
Weitere FAQ...
- FAQ beim Netzwerk Grundeinkommen
- FAQ bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
- FAQ bei "Unternimm die Zukunft"
Ende August 2009 erscheint auch das "Kleine ABC des bedingungslosen Grundeinkommens", herausgegeben vom Netzwerk Grundeinkommen. Darin findet man Antworten auf häufig gestellte Fragen zum bedingungslosen Grundeinkommen und Erklärungen zu Begriffen wie Grundeinkommen und Grundsicherung, Existenzgeld, Bürgergeld, Sozialdividende und Negative Einkommensteuer. Das Buch erscheint im Verlag AG SPAK Bücher und ist für 6 € erhältlich. Weitere Infos beim Netzwerk Grundeinkommen







